Einfach machen!
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 1-2025 des KINDgerecht-Magazins für frühkindliche Bildung erschienen.
Sechs Kitas, ein Ziel: den Übergang in die Schule entspannt und mit Freude gestalten. Dazu öffnen Fröbel-Einrichtungen im Kölner „Ehrenfelder Dreieck“ ihre Turnhallen, Büchereien und Ideenwerkstätten füreinander. Sie vernetzen sich dabei mit Grundschulen und Familien. Nun möchten die Kitas ihr Netzwerk erweitern und umliegende Grundschulen miteinbeziehen. Im Interview erklären die Kita-Leiterinnen Nannette Schöpgens und Stefanie Weirich, warum „einfach machen“ der beste Plan ist.

Was genau verbirgt sich hinter dem „Ehrenfelder Dreieck“?
Weirich: In der Region Köln arbeiten sechs Fröbel-Kitas sehr eng zusammen – viele davon liegen im selben oder im benachbarten Veedel. Wir besuchen uns, nutzen Turnhallen und Außengelände gemeinsam und planen Aktivitäten, von denen alle Kinder profitieren. Manchmal nimmt eine Kita auch eine Gruppe von Kindern aus einer anderen Kita mit zu Ausflügen. Wir unterstützen uns gegenseitig, auch bei Personalengpässen, und öffnen unsere Angebote für alle Kinder. Daraus ist die Idee entstanden, auch unsere jeweiligen Kooperationen mit verschiedenen Grundschulen zu bündeln und zu multiplizieren. Über einen gemeinsamen Outlook-Kalender sehen alle Kitas die festen Aktivitäten wie z. B. die Nutzung der Basketballhalle oder die Waldtage usw. – darüber kann dann eine Teilnahme angefragt werden.
Wie genau soll das ablaufen?
Weirich: Im letzten Kita-Jahr haben wir das Konzept erprobt, im neuen Jahr rollen wir es im Ehrenfelder Dreieck aus. Kinder aus meiner Kita können beispielsweise über die bestehende Kooperation mit einer Partner-Kita aus dem „Ehrenfelder Dreieck“ eine andere Grundschule kennenlernen, die dann ihre Einzugsschule wird. Wenn wir die Kooperationen öffnen, besteht die Chance, dass mehr Kinder ihre zukünftigen Grundschulen vorab kennenlernen können. Das schafft Sicherheit, baut Sorgen ab und unterstützt die Vorfreude der Kinder. Zu uns kommen auch Kinder, deren Familien nicht in Ehrenfeld wohnen, etwa weil die Eltern im nahegelegenen Krankenhaus arbeiten und ihre Kinder deshalb in Arbeitsortnähe in unsere Kita geben. Im Rahmen eines Projekts haben wir mit den Kindern viele Grundschulen besucht. Manchmal sind wir nur daran vorbeispaziert und haben über den Zaun geschaut. Es haben aber auch Spontanbesuche der Schule funktioniert, indem ich morgens einfach angerufen und gefragt habe, ob wir zeitnah vorbeischauen können. Diese niederschwelligen Einblicke werden wir fortsetzen – unkompliziert per Telefonanfrage und bei Möglichkeit direkt vor Ort. Manchmal ist Spontanität besser als eine lange Planung.
Wie sieht die Schulkooperation von Ihrer Kita konkret aus?
Schöpgens: Zu Beginn des Schuljahres stimmen wir uns mit der zuständigen pädagogischen Fachkraft aus der Schule über Bedarfe und Termine ab. Sie kommt zunächst zu uns in die Kita, stellt sich vor und lernt die Kinder kennen. Danach besuchen wir die Schule. Wir sehen uns die Bücherei und den Pausenhof an, machen eine Rallye durchs Gebäude und die Kinder dürfen auch schon mal in den Unterricht „hineinschnuppern“. Begleitet werden wir von der Schulkoordinatorin, die besonders in den Klassen 1 und 2 präsent ist. So haben die Kinder früh ein vertrautes Gesicht. Meist starten wir im November oder Dezember. Insgesamt gehen wir etwa fünf- bis sechsmal im Jahr hinüber. In der Schulbücherei lesen Schulkinder unseren Kitakindern vor – das stärkt die Beziehungen und gibt den Kindern Sicherheit.
Weirich: In unserer Kooperation ist die Schulkoordinatorin die feste Ansprechpartnerin, die die Kinder später in den verschiedenen Klassen auch wiedersehen. Das gibt den Kindern Sicherheit, auch wenn die Klassenleitung noch unbekannt ist. Sie begleitet uns bei den Besuchen und steht den Kindern für Fragen zur Verfügung.
Welche Wünsche haben Grundschulen an die Institution Kita?
Schöpgens: Vor allem gut vorbereitete Kinder, die emotional gestärkt und selbstständig sind. Sie sollten sich idealerweise selbstbewusst in großen Häusern orientieren und frei bewegen können. Außerdem sollten sie ein Verantwortungsgefühl für den Umgang mit Materialien und Ressourcen haben, einander zuhören können und demokratische und soziale Grundwerte verinnerlicht haben. Es geht um ganz grundlegende Fähigkeiten. Das ermöglicht den Schulen ein Lernumfeld, in dem sie gut anknüpfen können. Und diese Vorstellung von guter Vorbereitung für die Schule setzen wir alltagsintegriert für alle Kinder ab dem ersten Kita-Tag um. Die Kinder wachsen ganz natürlich durch unsere Form der Gemeinschaft und unsere pädagogischen Angebote hinein.
Was braucht es für den gelingenden Übergang in die Schule?
Schöpgens: Übergänge gibt es viele, und sie alle liegen auf dem Weg eines Kita-Kindes in die Schule: Die Eingewöhnung ist der erste Übergang von zu Hause in die Kita bzw. von der Krippe in den Elementarbereich. Dann folgt der Übergang in die Schule. Bei jedem Übergang ist die Zusammenarbeit mit den Familien von Bedeutung, um dem Kind Sicherheit zu geben.
Wir laden die Eltern der aktuellen Vorschulkinder und die Familien des letzten Jahrgangs zu einem gemeinsamen Treffen ein. Dabei haben die Eltern die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und ganz praktische Fragen zum frühen Aufstehen, zu Abschieden und zu organisatorischen Themen zu klären. Uns ist wichtig, die emotionale Stärkung und Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. Wir begleiten die Kinder dabei, Verantwortung zu übernehmen, sich auf eine Sache zu konzentrieren, Konflikte zu lösen usw. Im Gespräch erklären die älteren Kinder den Eltern selbstständig, was sie können und was sie bewegt.
Gibt es Beispiele, wie ihr das in der Praxis umsetzt?
Weirich: Wir arbeiten mit einem „Gefühlekoffer“. Dieser beinhaltet Bücher über Gefühle, eine „Gute-Laune-Karte“ und einen Freundschaftsteppich mit Gesprächsregeln – damit Kinder lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen und zu benennen. Wir haben eine Beschwerdewand für kindgerechtes Beschwerdemanagement und einen „Übergangskoffer“, der übers Wochenende mit nach Hause genommen werden kann. An einer Schuhstation können Kinder in ihrem eigenen Tempo und spielerisch das Schleife binden üben. In unserer Einrichtung steht allen Kindern ein Schulranzen mit Federtasche zur Verfügung. Die Kinder mögen es, Mappen und Papiere hineinzustellen, die Federtasche in Ordnung zu bringen und den Ranzen aufzusetzen. Insgesamt beschäftigt sie das Thema, auch in Rollenspielen. Das bietet tolle Gesprächsanlässe für Kinder und pädagogische Fachkräfte. Außerdem fragen wir die Kinder vor dem Schulstart: „Worauf freust du dich? Was macht dir Sorgen?“ Die Antworten sind erhellend und fließen in unsere Planung ein. Wir nehmen zudem an dem Präventionskurs „Mut tut gut“ teil. Dabei handelt es sich um ein speziell für Kinder entwickeltes Training zur Gewaltprävention.
Wo seht ihr noch Potenzial in der Zusammenarbeit mit Grundschulen?
Weirich: Durch Corona ist es schwieriger geworden, kontinuierlich Kontakte zu halten. Gründe sind Personalmangel und häufige Leitungswechsel. Aber es hilft nur, weiterhin aktiv zu bleiben! Ein Anruf in der Schule genügt, um zu fragen, ob ein kurzer Schulhofbesuch oder ein Rundgang außerhalb der Pausen möglich ist. Solche kleinen, verbindlichen Schritte helfen. Wir planen außerdem einen Kooperationskalender für Kitas und Schulen, der schon bei den Vierjährigen ansetzt und gemeinsame Termine sichtbar macht – vom Elternabend bis zu Aktionen im Veedel.
Schöpgens: Man sollte nicht auf perfekte Bedingungen warten, sondern einfach machen. Die Kinder profitieren sofort, und Beziehungen wachsen mit jeder unkomplizierten Begegnung.
Praxisbeispiele
Mit spielerischen und kreativen Angeboten unterstützen Fröbel-Fachkräfte die Kinder dabei, ihre Emotionen zu verstehen, sich selbst zu organisieren und mit anderen in Beziehung zu treten. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen, wie vielfältig und alltagsnah die Kompetenzen gefördert werden.
Die Ideenschmiede ist angelehnt an die Remida der Reggio-Pädagogik – ein Materialfundus, der zum freien kreativen Gestalten einlädt.


Der „Gefühlekoffer“ beinhaltet verschiedene Materialien rund um Gefühle.

Auf dem „Freundschaftsteppich“ erlernen die Kinder Gesprächsregeln für ein respektvolles Miteinander.

Der „Lesekoffer“ bietet Bücher zu unterschiedlichen Themen an.

Die Schuhbank bietet den Kindern die Möglichkeit, ohne Zeitdruck und nach Lust und Laune sich mit dem Binden von Schnürsenkeln zu beschäftigen.

