„Ich freu‘ mich auf die Pausen“ – Was Kita-Kinder über die Schule denken
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 1-2025 des KINDgerecht-Magazins für frühkindliche Bildung erschienen.
Um dieser Frage nachzugehen, haben wir Kinder zu ihren Gedanken und Gefühlen rund um den Schulstart befragt – und dabei erstaunlich ehrliche, kreative und oft überraschende Antworten erhalten.
Kinder sind Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt. Ihre Perspektiven eröffnen Einblicke, die Erwachsenen oft verborgen bleiben. Wer Kindern zuhört, zeigt ihnen nicht nur Wertschätzung, sondern stärkt auch ihr Selbstbewusstsein und ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Zugleich haben Kinder das Recht, in alle sie betreffenden Belange einbezogen zu werden. Kaum ein Thema betrifft sie stärker als der Übergang von einem Lebensabschnitt in den nächsten.
Gruppendiskussionen als Türöffner
Diskussionen über das letzte Kitajahr oder die Vorschule werden in der Regel von Erwachsenen geführt. Kinderstimmen fehlen dabei weitgehend. Bei Fröbel entstand daher die Idee, Kinder stärker einzubeziehen. Pädagogische Fachkräfte aus verschiedenen Einrichtungen führten Gruppendiskussionen anhand eines Leitfadens durch, in denen die Kinder offen erzählen und sich austauschen konnten. So erhielten sie Raum, ihre Gedanken zu Vorfreude, Wünschen, Fragen oder auch Unsicherheiten zu teilen.
Freundschaften, Freizeit und Essen – zentrale Ergebnisse der Erhebung
Ein wichtiges Thema, das Kinder bei ihrem Start in die Grundschule sehr bewegt und das immer wieder benannt wird, sind Freundschaften. Vielen Kindern ist es besonders wichtig, gemeinsam mit bestehenden Freunden und Freundinnen in die Schule zu gehen. Freundschaften geben ihnen Sicherheit, wenn sie in eine neue Umgebung kommen und sich ihr Alltag verändert. Kinder fühlen sich in der Schule wohl und gestärkt, wenn sie wissen, dass sie dort schon jemanden kennen, mit dem sie ihre Erfahrungen teilen können.

In vielen Aussagen der Kinder spiegelt sich wider, dass sie auch in der Schule noch „malen“ und „spielen“ wollen, dass sie also weiterhin ihren eigenen Interessen und verschiedenen Aktivitäten nachgehen möchten. Sie interessieren sich sehr für die Spielplätze der Schulen und wünschen sich „große Rutschen“ an den Gebäuden, mit denen sie „bis zum Schulhof“ rutschen können. Letzteres kennen manche aus ihrer Kita. Sie freuen sich auf die Pausen, in denen sie sich frei(er) bewegen und „draußen spielen“ können.
Ein wichtiges Thema für die Kinder ist das Essen. Sie machen sich erstaunlich viele Gedanken darüber, wie die Essensregelung in der Schule ist, welche Speisen es gibt, was sie selbst mitbringen müssen, ob sie mitentscheiden dürfen, was es gibt – und vor allem, ob es ihnen schmeckt.
Wie können wir die Stimmen der Kinder nutzen?
Kinder denken nicht nur an Leistung, Noten und Fähigkeiten, sondern ebenso an ihr Wohlbefinden. Sie wissen, dass sie Unterricht haben, „pünktlich“ sein müssen und „keinen Quatsch machen“ dürfen. Sie freuen sich auf Lesen, Schreiben, Hausaufgaben, „Kleinbuchstaben“, „größere Wörter“, „Kunst“ oder „das Plus, das Mal und das Minus“. Gleichzeitig beschäftigen sie mindestens ebenso sehr Freundschaften, Hobbys, Pausen und gutes Essen.
Während Bildung, Politik und Gesellschaft den Fokus auf Kompetenzen legen, freuen sich Kinder schlicht aufs Lernen, auf Kontakte und spannende Aktivitäten. Viele dieser Themen spielen bislang kaum eine Rolle bei der Gestaltung des Übergangs. Dabei gilt: Wohlbefinden und Spaß tragen entscheidend zum Lernerfolg bei.
- Was wünschen sich Kinder in dieser Übergangsphase? Was brauchen sie aus ihrer Sicht für den Schulstart?
- Wie gehen wir mit diesen Wünschen und Vorstellungen in der Kita um, wie tragen wir sie an die Schulen heran?
- Wie können wir dafür sensibilisieren, wie wichtig Freundschaften bzw. andere Bezugspersonen (z. B. Geschwister) für Kinder in der Schule sind?
- Wie können wir Kindern Sicherheit geben, die vielleicht noch niemanden in der neuen Schule kennen?

Wenn wir die Kinder, ihre Vorstellungen, Wünsche, Anregungen, Meinungen sowie ihre Ängste und Sorgen mit in die Gestaltung des Übergangs von der Kita in die Grundschule einbeziehen, erweitert sich unser Blick auf diesen wichtigen Prozess. Die Kinder fühlen sich ernst genommen und nehmen sich selbst als Akteure wahr. So entstehen Übergänge, die nicht nur von Erwachsenen geplant, sondern gemeinsam mit den Kindern gestaltet werden – und damit umso erfolgreicher gelingen können.
Kinderperspektive bei Fröbel
Für Fröbel ist die Kinderperspektive ein zentraler Bestandteil guter pädagogischer Arbeit und Qualitätsentwicklung. Deshalb wird sie künftig noch konsequenter in unseren Einrichtungen aufgegriffen und fest verankert. Indem wir die Sichtweisen, Ideen und Bedürfnisse der Kinder kontinuierlich in unsere Praxis einbeziehen, schaffen wir Räume, in denen Kinder ernst genommen werden und ihre Rolle als aktive Mitgestaltende erleben können.
Die Einbeziehung der Kinderperspektive in die Qualitätsentwicklung ermöglicht es, den pädagogischen Alltag stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen und Lebenswelten der Kinder auszurichten. Wenn Kinder ihre Sichtweisen einbringen, wird Qualität nicht nur aus Erwachsenensicht definiert, sondern gemeinsam mit denjenigen gestaltet, die im Zentrum unserer Arbeit stehen. Lesen Sie mehr zum Thema Qualität aus Kindersicht in unserem Blog-Artikel „Das wünschen sich Kinder von ihrer Kita„.
Filmtipp
Die Gespräche der Kinder wurden mit Audiogeräten aufgenommen und analysiert. Neben der Auswertung entstand so das Video „Kinderperspektiven: Bald bin ich ein Schulkind“ mit
authentischen Kinder-Aussagen.
