Qualität weiterdenken: Peer-Review als kollegialer Dialog auf Augenhöhe – von Fachkräften für Fachkräfte
Warum Qualität wichtig ist
„Für die Kleinsten nur das Beste“ – so brachte es kürzlich eine engagierte Fachkraft während einer internen Schulung auf den Punkt. Dieses Versprechen prägt die tägliche Arbeit in Fröbel-Einrichtungen: Jedes Kind soll von Anfang an beste Bildungschancen erhalten. Frühkindliche Bildung gelingt durch stabile Beziehungen und eine Umgebung, die zum Entdecken und Lernen anregt. Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern schon im Alltag, im Spiel, in der Interaktion. Deshalb setzt Fröbel in all seinen Einrichtungen auf eine hohe pädagogische Qualität. Denn Kinder haben ein Recht auf hochwertige Bildung und auf einen Träger, der sie als kompetente Mitgestaltende ernst nimmt. Doch wie lässt sich diese Qualität systematisch sichern, reflektieren und kontinuierlich weiterentwickeln.
Pädagogisches Qualitätsmanagement bei Fröbel – Ein kurzer Überblick
Das Qualitätsmanagement bei Fröbel setzt sich aus verschiedenen Ebenen, Instrumenten und Zeitpunkten zusammen, die sich ergänzen und ineinandergreifen:

Damit entsteht ein tragfähiges Fundament, das wissenschaftliche Standards und praxisnahes Erfahrungswissen verbindet. Die Ergebnisse der verschiedenen Instrumente werden regelmäßig im Team reflektiert, um einrichtungsspezifische Maßnahmen und trägerbezogene Strategien abzuleiten.
Peer-Review – Was steckt dahinter?
Das Peer-Review-Verfahren wurde 2023 in das Qualitätsmanagement von Fröbel integriert. Es dient der Erhebung und kontinuierlichen Weiterentwicklung von Qualität in den Einrichtungen. Ziel ist es, den Ist-Stand gelebter Qualität in einer Einrichtung zu erfassen und gemeinsam weiterzudenken, im kollegialen Austausch anhand standardisierter Instrumente, von Fachkraft zu Fachkraft. Geschulte pädagogische Fachkräfte, sogenannte Peers, übernehmen dabei eine elementare Rolle. Sie werden von der pädquis-Stiftung auf Basis wissenschaftlich fundierter Skalen qualifiziert, die auch für externe Evaluationen genutzt werden. Das ermöglicht einen fachlich differenzierten, regelmäßigen, umfassenden Blick auf die Qualität vor Ort und stellt eine Erweiterung zur externen Evaluation dar.
Mehrperspektivische Qualitätsentwicklung
Ausgangspunkt ist die letzte externe Evaluation. Auf dieser Grundlage wählt die Einrichtung jene Qualitätsbereiche aus, die ein hohes Entwicklungspotenzial haben, und ergänzt sie um Schwerpunkte, Stärken und aktuelle Themen. So knüpft das Peer-Review gezielt an bestehende Erkenntnisse an und erweitert sie um eine individuelle, ressourcenorientierte Perspektive auf Qualität. Das Ziel besteht darin, eine nachhaltige Weiterentwicklung in der Praxis zu fördern. Dies gelingt durch eine mehrdimensionale Perspektive: Fachkräfte treten in einen praxisnahen, kollegialen Austausch, der über den gewohnten Alltag hinausführt. Auch die Peers profitieren dabei von den gewonnenen Erkenntnissen und können diese gezielt in ihre eigene Einrichtung einbringen. Ein besonderer Mehrwert entsteht zudem durch eine Perspektive, die im Qualitätsdiskurs oft zu kurz kommt: die der Kinder. Sie werden zum Beispiel nach ihren Lieblingsorten gefragt und was sie besonders gern machen. Es werden gezielte Fragen gestellt, um das Expert:innenwissen der Kinder einzubeziehen. Die Perspektive der Kinder ergänzt den professionellen Blick der Fachkräfte. Sie eröffnet neue Denkräume für die Weiterentwicklung pädagogischer Qualität.

Ablauf eines Peer-Reviews – Ein typischer Erhebungstag mit anschließender Rückmeldung
Durch einen transparenten Evaluationsplan werden alle Einrichtungen regelmäßig berücksichtigt und frühzeitig informiert. Innerhalb eines Vorgesprächs werden die Qualitätsbereiche gemeinsam mit dem Leitungsteam, der Fachberatung und den Peers ausgewählt und Termine festgelegt. Nachdem alle Termine feststehen und auch die Familien sowie Kinder informiert sind, findet die Erhebung statt.
Der Tag beginnt mit einem Rundgang, gefolgt von einer nichtteilnehmenden Beobachtung. Fehlende Aspekte werden in Interviews mit Fachkräften ergänzt und Kinder beantworten Fragen zu ihrer Einrichtung. Im Anschluss bereiten die Peers ihre Beobachtungen auf und präsentieren dem Team und der regionalen Fachberatung eine strukturierte Rückmeldung. Diese gibt ein differenziertes Bild des Ist-Zustands und konkrete Impulse für die Weiterentwicklung. Die Einrichtung formuliert daraufhin Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung. Alle Ergebnisse und Dokumente werden im trägerinternen Ablagesystem gesichert, transparent und nachvollziehbar, so, dass alle Beteiligten gut damit weiterarbeiten können
Stimmen aus der Praxis
Nach mehr als zwei Jahren Peer-Review bei Fröbel stellt sich die Frage: Wie erleben Beteiligte das Peer-Review? Was macht es besonders? Welche Herausforderungen bringt es mit sich und welche Chancen eröffnet es?
Alena Nießen, qualifizierte Fachkraft und selbst als Peer-Reviewerin tätig, hebt vor allem den Austausch „auf Augenhöhe“ hervor. Neben der Steigerung der Qualitätsstandards eröffnet das Peer-Review zahlreiche Chancen, etwa den Aufbau von Netzwerken und die verstärkte Zusammenarbeit innerhalb des Trägers. Es nimmt vielen die Angst vor Evaluation und weckt Freude an der eigenen professionellen Weiterentwicklung. Herausfordernd bleibt der hohe Zeitaufwand für Vor- und Nachbereitung. Für Alena Nießen überwiegen jedoch die Vorteile: Fachliche Vertiefung, neue Impulse und spürbare Qualitätsentwicklung machen das Verfahren für sie zu einem „absolut notwendigen“ Instrument.

Ähnliche Erfahrungen berichtet der Fröbel-Kindergarten Maria Montessori, in dem Alena Nießen kürzlich ein Peer-Review durchführte. Besonders wertvoll sei der Blick von Kolleg:innen aus der Praxis, der Nervosität abbaut und Routine in die Evaluationsprozesse bringt. Zwischen den externen Evaluationen werden Entwicklungen sichtbar, neue Perspektiven entdeckt, Unsicherheiten minimiert und ein tragfähiges Netzwerk zwischen den Einrichtungen aufgebaut. Auch hier bleibt die Zeitfrage die größte Herausforderung: Peer-Reviewer:innen müssen den Prozess zusätzlich zu ihrem regulären Alltag stemmen. Dennoch überwiegt die positive Bilanz: Das Verfahren macht Entwicklungspotenziale deutlich, hat bereits zu Veränderungen im Tagesablauf geführt, Freude über die Weiterentwicklung der Qualität entfacht und fördert den Austausch im Team.
Ein Ausblick
Nach mehr als zwei Jahren Erfahrungen mit dem Peer-Review sind wir überzeugt: Dieses Instrument unterstützt dabei, Qualität in Kitas und Horten nicht nur zu sichern, sondern auch kontinuierlich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Der Peer-to-Peer-Ansatz bringt dabei viele Vorteile mit sich, insbesondere durch den kollegialen, praxisnahen Austausch auf Augenhöhe.
Das Verfahren wird stetig an aktuelle Bedarfe und Erkenntnisse angepasst, immer mit dem Anspruch eine standardisierte und einheitliche Qualitätssicherung zu gewährleisten – denn hohe pädagogische Qualität bleibt unser Anspruch.
Zum Weiterlesen
Unser Blogbeitrag: Wie gute Qualität in der Krippe sichtbar wird
Unser Blogbeitrag: Literaturempfehlungen zum Thema Qualitätsentwicklung in der frühkindlichen Bildung
Wenn Sie mehr über das Qualitätsmanagement unseres Trägers erfahren möchten, stöbern Sie gern auf unserer Homepage in der Rubrik Pädagogisches Profil und Qualitätsentwicklung.
